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Swiss Tennis: Interview

Die Gunst der Stunde nutzen

 

Andreas Fischer, Leiter Wettkampf des Schweizerischen Verbandes Swiss Tennis, lobt das ITF Trimbach, spricht über die Futures-Turniere als Einstieg für junge Talente in den internationalen Profibetrieb und verspricht mehr Eventcharakter für die Nationalliga A.


Frage: Wie schätzen Sie die derzeitige Bedeutung des Tennissports in der Schweiz ein?

Andreas Fischer: Auf das Jahr 2014 zurückblickend dürfen wir uns in einer sehr glücklichen Situation schätzen: Die Schweiz hat mit Stan Wawrinka, Roger Federer, Marco Chiudinelli und Michi Lammer den Davis Cup gewonnen. 1992 standen wir als kleine Schweiz schon einmal gegen die USA im Finale, dieses Mal hat es geklappt. Wir sind erst der 14. Sieger in der Geschichte des Wettbewerbs. Dazu haben Stan Wawrinka und Roger Federer im letzten Jahr nicht weniger als einen Grandslam und sieben ATP Titel gewonnen und standen sich im Halbfinale an den ATP Masters gegenüber. Nicht zu vergessen Timea Bacsinszky, die als Comeback-Spielerin des Jahres nominiert war und Belinda Bencic, die zur Newcomerin 2014 gekürt wurde. Sie hatte das Jahr mit WTA Ranking 280 begonnen und ist dann bis Ende des Jahres in die Top 50 vorgestossen. Ins laufende Jahr sind wir ebenfalls sehr erfolgreich gestartet. Roger Federer, Stan Wawrinka und Timea Bacsinszky konnten bereits je zwei Turniere für sich entscheiden. Die mediale Präsenz und die damit verbundene Wahrnehmung des Tennissports waren in den letzten 18 Monaten enorm.

Andreas Fischer, Swiss Tennis

Wie kann dieser Spirit genutzt werden, gerade im Hinblick auf Talente?
Es wird wichtig sein, jungen, angehenden Spielern in Zukunft weiterhin Möglichkeiten zu bieten, im eigenen Land erste internationale Erfahrungen zu sammeln, um in die Weltrangliste reinzukommen. Deshalb konzentrieren wir uns auf die internationalen Junioren- und WTA-/ ATP-Unterbauturniere. Indem wir diese, wie das ITF Men’s Future hier in Trimbach, anbieten, können wir den Einstieg in den internationalen Turnierbetrieb vereinfachen. Beispielweise durch die Vergabe von Wildcards an Spieler, die noch über kein ATP oder WTA Ranking verfügen. Auf Schweizer Boden werden dieses Jahr fünf ITF Men’s Futures-Turniere ausgetragen, zwei davon im März, das erste in Trimbach, gefolgt von Taverne, drei weitere im August.

Und wie sieht es an der Basis aus? Wie können mit Blick auf die Schweizer Stars im Welttennis Kinder für den Sport begeistert werden?
Sehr viele Kinder kommen dank der hervorragenden Arbeit der Tennisclubs und -centers mit dem Tennissport in Kontakt. Zweifelsohne ist es eine Herausforderung, sie an den Wettkampfbetrieb heranzuführen. Die heutigen Kinder sollen die Schule ernstnehmen, vielleicht noch musizieren und ihnen stehen unzählige konkurrierende Freizeitangebote zur Verfügung. Darunter Trendsportarten, die es früher noch gar nicht gab. 2015 lancieren wir deshalb das überarbeitete Kids Tennis-Programm (www.kidstennis.ch), das als Instrument dazu dienen soll, Kinder besser an den Tennissport zu binden, sie an den Wettspielbetrieb heranzuführen und die Motivation zu erhöhen.

Was erwarten Sie sich von der Nationalliga A (NLA) in diesem Jahr?
Ich denke, sie wird 2015 ausgeglichener sein. Die Teams befinden sich in einem ähnlichen Leistungsbereich.

Was kann die NLA für die Talententwicklung bewirken?
Die Schweizer Talente können Erfahrungen sammeln. Sie spielen und trainieren im Team, statt wie mehrheitlich üblich einzeln unterwegs zu sein. Die Mannschaften sind rund zwei Wochen zusammen. Das bringt Abwechslung und die jungen Spieler können sich an den Topspielern orientieren und von ihnen profitieren. Zudem ist es eine nicht zu unterschätzende Nebenverdienstmöglichkeit.

Wie kann die NLA attraktiver werden und der Zuspruch erhöht werden?
Die Frage ist, wie positionieren wir die höchste Schweizerische Spielklasse. Im Wissen, dass absolutes Toptennis die Massen bewegt, die NLA es dagegen viel schwerer hat, eine grosse Anzahl Zuschauer anzuziehen, ist es für Swiss Tennis wichtig, dass die NLA eine Plattform für unsere einheimischen Spieler ist. Das Format von maximal zwei ausländischen Spielern pro Team und vier Spielern mit Schweizer Pass halten wir daher für richtig und werden es in Zukunft beibehalten.
Aber wir wollen dieses Jahr die Qualität der Durchführung der einzelnen Begegnungen vereinheitlichen. In der Vergangenheit waren da grosse Unterschiede zu erkennen. Das Ziel ist, einen Eventcharakter sicherzustellen. Mit einem Speaker und Musik sowie vernünftigen Möglichkeiten zum Zuschauen soll vermittelt werden, dass hier ein Sportevent stattfindet. Es soll nicht wie eine Drittligaveranstaltung daherkommen. Auch Gastfreundschaft soll kommuniziert und gezeigt werden, etwa durch Bewirtung der Zuschauer. Ausserdem sollen die Medien durch einen lokalen Medien-Verantwortlichen besser betreut werden. Damit diese Ideen umgesetzt werden können, sind wir als Verband auch bereit, finanzielle Unterstützung zu leisten.

Inwieweit wirken der Interclub und die höchste nationale Liga zusammen?
Der Interclub ist generell ein sehr wichtiges Gefäss. Es ist im Positiven die Achillessehne des Schweizer Tennis. Deswegen nehmen viele Vereinsmitglieder Trainerstunden und besuchen Trainingscamps. Es ist für viele der Höhepunkt des Tennisjahres schlechthin. Die Nationalliga A bildet dabei die Spitze der Pyramide. Der Interclub gilt als willkommene Plattform sowohl für den Breitensportler wie für die Schweizerischen Topspieler. In der Vergangenheit, zum Beispiel im Jahr 2007, hat ein Team bestehend nur aus Ausländern gewonnen. Zum Glück haben wir durch die Kontingentierung einen Konsens, ein Gentleman’s Agreement mit den Clubs erzielt.

Auf diese Weise ist die Nationalliga wirklich eine nationale Liga.
Ja, der jetzige Modus scheint der richtige zu sein. Dass zwei ausländische Spieler dabei sind, ist durchaus sinnvoll, weil sie zusätzliche Qualität und Erfahrung mitbringen. Das hilft den Schweizer Talenten, weil es ein zusätzlicher Ansporn ist, sich zu verbessern. Beim TC Trimbach zum Beispiel Jeremy Moser, Dario Huber und Luca Giacomelli. Sie sehen, wie die guten Spieler trainieren und werden dadurch ermutigt, weiter hart an sich zu arbeiten.

Wie zufrieden sind Sie mit der Organisation des ITF Trimbach?
Wir sind sehr zufrieden. Wir wissen, dass ein grosser Aufwand dahintersteckt, ein solches Turnier auf die Beine zu stellen, ebenso finanzielle Anstrengungen. Es ist wichtig, Clubs und Tenniscenter zu haben, die ihren Beitrag leisten, die bereit sind, solche Veranstaltungen durchzuführen. Peter Gubler als ehemaliges Zentralvorstands-Mitglied von Swiss Tennis und Marc Thommen setzen sich für den Tennissport generell ein, auch mit dem Team der Nationalliga A. In Trimbach sind die nötige Leidenschaft und die Erfahrungen vorhanden, auch, um die Vorgaben der ITF umzusetzen.